poeme

Rauschen

Kind rauscht.
Wie Wellen.
Wie Radioknopf, der herumdreht.
Wie All.
Wie inneres Ohr.

Mutter rauscht.
Nicht wie Wellen.
Vater rauscht.
Nicht wie Wellen.
Sie rauschen anders.
Sie rauschen anders sehr.

Tür zu-
gerauscht.
Vater weg.
Mutter weint.
Kind rauscht.
Wie Wellen.

Bruder greift rauschendes Kind.
Lacht laut,
laut.
Kind schlägt auf wie Glas auf Küchenboden,
splittern.
Kind rauscht.
Wie All.

Kind rauscht nicht nur.
Kind kratzt sich auch.
Kind wäscht sich auch.
Kind zählt,
zählt.
Kind träumt,
träumt.
“Das ist nicht schlimm.“

Kind drückt sich
ganz dicht, ganz dicht
an Türen...
... flach gepresst,
Rücken zur Wand.
Kontakt muss bestehen.
Sonst stirbt Mutter.
Türschlüssel graben sich
in Rücken von Kind.
“Das ist nicht schlimm.“

Kind rauscht.
Wie inneres Ohr.
Kind schweigt viel.
Wirft Setzkasten weg.
Stofftiere.
Wirft ganze Kindheit
in Eimer.

Mutter und Bruder
sehen zu.
Wundern sich.
Wühlen in Müll.
Schimpfen mit Kind.
„Wieso machst das?“
Kind rauscht.
Rauscht anders sehr.

Als Kind
kein Kind
mehr ist,
stürzt Nicht-Kind
in Loch.

Kind rauscht nicht mehr.
Nicht wie Wellen.
Nicht wie Radioknopf, der herumdreht.
Nicht wie All.
Nicht wie inneres Ohr.

Rauschen wird leiser.